Alfred Fellisch

Alfred Fellisch
Stadtarchiv Chemnitz

* 1.6.1884 in Fraustadt

† 4.3.1973 in Radebeul

 

Alfred Fellisch war einer der wichtigsten Vertreter der Chemnitzer Sozialdemokratie. Er gehörte acht Jahre dem Sächsischen Landtag an, war knapp drei Jahre lang Wirtschaftsminister des Landes Sachsen und für einige Monate dessen Ministerpräsident. Sein Wirken ist mit dem – letztlich gescheiterten – Versuch einer Sozialdemokratischen Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die KPD verbunden.

Fellisch verbrachte seine Kindheit im niederschlesischen Haynau, wo er den Beruf eines Handschuhmachers erlernte. 1902 trat er sowohl der SPD als auch der Gewerkschaft der Handschuhmacher bei.

Sechs Jahre später ließ er sich in Johanngeorgenstadt nieder. Sein Talent als Wahlkämpfer fiel der Chemnitzer Bezirksorganisation der SPD auf, die ihn daraufhin 1912 für ein halbes Jahr auf die Berliner Parteischule schickte. Nach seiner Rückkehr 1913 arbeitete er zunächst als Berichterstatter, dann als Redakteur der „Volksstimme“. In den Jahren des Ersten Weltkriegs leitete Alfred Fellisch den Bezirks-Jugendausschuss der SPD Chemnitz-Erzgebirge. Während der Novemberrevolution war er Mitglied des Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrates. Die Stadtverordnetenwahlen im Januar 1919 brachten ihm ein Mandat ein, das er bis 1921 behielt. Bereits 1918 aber begann seine landespolitische Karriere, als er im April bei einer Nachwahl in die Zweite Kammer des Sächsischen Landtags gelangte. Anfang 1919 wurde er dann erneut in die Sächsische Volkskammer gewählt und blieb bis 1926 im Landesparlament. Bereits im ersten Jahr seiner Zeit als Landtagsabgeordneter rief er die so genannte „Chemnitzer Richtung“ ins Leben, eine linke Strömung innerhalb der MSPD, die für eine zentral gelenkte Staatswirtschaft und die Vereinigung mit der USPD eintrat. Als bei der Wahl im November 1920 die bisherige Koalition aus MSPD und DDP ihre Mehrheit verlor, plädierten die Anhänger der „Chemnitzer Richtung“ für eine Koalition aus MSPD und USPD unter Tolerierung der kommunistischen Abgeordneten. Die darauf folgenden innerparteilichen Auseinandersetzungen konnten Fellisch und seine Mitstreiter für sich entscheiden. Der bisherige Ministerpräsident Johann Wilhelm Buck wurde – obwohl Verfechter einer Koalition zwischen MSPD, DDP und DVP – am 9.12.1920 wiedergewählt und begann einige Tage später mit der Regierungsbildung. Am 1. Mai 1921 trat Alfred Fellisch, zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender des Haushaltsausschusses A des Landtags, als Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Wirtschaftsministers Schwarz in das Kabinett ein. Er konnte aber während seiner Amtszeit, die bis zum 10.10.1923 dauerte, seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen nur teilweise realisieren.

Obwohl Sachsen unter der MSPD/USPD-Regierung wichtige Reformen auf den Weg brachte, bewirkten die instabilen Machtverhältnisse eine vorzeitige Auflösung des Landtags und vorgezogene Neuwahlen im November 1922. Die bisherigen Regierungsparteien traten nach inzwischen erfolgter Wiedervereinigung der Sozialdemokratie als VSPD an. Die VSPD wurde zwar stärkste Kraft, war aber erneut auf die Tolerierung durch die Kommunisten angewiesen. Die Fortsetzung dieses Modells geriet schon nach wenigen Wochen in eine ernste Krise, in deren Folge Buck nicht mehr bereit war, mit der KPD zu kooperieren. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Erich Zeigner. Die weiterhin angespannte politische Situation führte zu Konflikten mit der Reichsregierung; im Oktober 1923 marschierte die Reichswehr in Sachsen ein und es erfolgte eine Reichsexekution gegen das Land. Nach dem Rücktritt Zeigners trat Alfred Fellisch an seine Stelle, der Chef einer SPD-Minderheitsregierung unter Tolerierung diesmal der DDP wurde. Gleichzeitig blieb Fellisch Wirtschaftsminister. Fellisch gelang es trotz seines durch die Bestimmungen des Ausnahmezustands eingeschränkten Handlungsspielraums, die politische Situation zu beruhigen und auch wichtige Impulse für einen Aufschwung am Arbeitsmarkt zu setzen. Konflikte zwischen Fraktion und Partei wegen der Bildung einer Großen Koalition führten dazu, dass Fellisch Anfang Januar 1924 die Landespolitik verließ.

Von 1924 bis 1932 war Alfred Fellisch Amtshauptmann von Großenhain. 1931 kam es zum vorübergehenden Bruch mit seiner Partei. Während der Nazi-Zeit betätigte sich Fellisch im Untergrund. Nach einigen Jahren der Arbeitslosigkeit verdiente er von 1939 bis 1945 seinen Lebensunterhalt als kaufmännischer Angestellter. Nach Kriegsende war er zunächst Regierungsrat in Stollberg, dann Landrat in Annaberg, bis er schließlich zum Staatssekretär im Sächsischen Wirtschaftsministerium ernannt wurde. 1948 wurde er nochmals sächsischer Wirtschaftsminister, trat aber bereits im März 1949 aus gesundheitlichen und politischen Gründen zurück. Die letzten drei Jahre seines Berufslebens verbrachte Alfred Fellisch als Direktor der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. [Dr. Stephanie Pietsch]

Literatur: Schmeitzner, Mike/Rudloff, Michael: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag. Darstellung und Dokumentation 1877-1997. Herausgegeben von der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. Dresden 1997.
Alfred Fellisch in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., Online-Ausgabe: www.isgv.de/saebi [letzter Aufruf: 18.6.2013]

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