Carl Rudolph

* 18.01.1891 in Sayda
† 03.02.1955, vermutlich im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf
Beruf: Lehrer

1912 Volksschullehrer in Glösa, 1922 Schulleiter der Volksschule Glösa, 1921 Mitglied der SPD, seit Mitte der 1920er Jahre Gemeindevertreter in Glösa 1933 wurde er auf der Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wegen seiner aktiven SPD-Mitgliedschaft aus dem Schuldienst entlassen.

Wegen illegaler politischer Betätigung war er Oktober 1935–Februar 1936 im KZ Sachsenburg sowie April 1941–Juni 1942 im Gestapo-Gefängnis Chemnitz inhaftiert. Seit 1939 war er am Aufbau einer kleinen sozialdemokratischen Gruppe in Chemnitz beteiligt, zu der auch Moritz Nestler stieß.

Er gehörte zu den Teilnehmern jener Versammlung am 10.05.1945, auf der die SPD in Chemnitz wiederbelebt wurde. Am 19.05.1945 wurde er von Nestler zum Kreisschulrat für Chemnitz-Land berufen. 1945/46 gehörte er zu den Gegnern der Zwangsvereinigung in Chemnitz, ging aber im April 1946 doch mit in die SED.

1948/49 traf er sich wieder mit seinen alten Weggefährten in einer Gruppe, die Kontakte zum Ostbüro der SPD aufnahm. Am 21.04.1949 – zwei Monate nach den anderen Mitgliederm der Gruppe – wurde auch er verhaftet und ebenfalls am 22./23.06. vom Sowjetischen Militärtribunal in Dresden wegen Spionage zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Auch er wurde ins Zuchthaus Bautzen (Speziallager 3) gebracht, im Januar 1953 aber in das Zuchthaus Brandenburg-Görden verlegt. Im Dezember 1954 wurde er ins Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf verlegt, wo man Krebs im fortgeschrittenen Stadium feststellte. Am 03.02.1955 verstarb er, vermutlich im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf.

Aus der über ihn angelegten Stasi-Akte lässt sich erkennen, dass er verbrannt, seine Asche aber offenbar nie beigesetzt wurde. Offenbar war die Urne nur irgendwo abgestellt und wurde am 17.03.1965 – also nach nur 10 Jahren – „entsorgt“. [Dieter Häcker]

Literatur:
Andreas Pehnke: „Carl Rudolph (1891-1955) – Aufrechter Chemnitzer Schulreformer und Sozialdemokrat“, in: Carlowitz, Winkelhofer und andere Chemnitzer Biografien. Chemnitz 2011, S.143-156. [Mitteilungen des Chemnitzer Geschichtsvereins, N.F. 16]

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