Gustav Noske

Gustav NoskeGustav Noske, geboren am 6. Juli 1868 in Brandenburg an der Havel, ist sowohl die bedeutendste als auch die umstrittenste Persönlichkeit der Chemnitzer Sozialdemokratie.

Als er 1920 vom Amt des Reichswehrministers zurücktrat, war ihm einerseits der Dank des Reichspräsidenten, seines Freundes Friedrich Ebert gewiss: „Als nach dem so unglücklich geendeten verhängnisvollen Krieg alles zusammenbrach, als die Grundfesten des Reiches erschüttert wurden, hast Du – trotz starken Widerstrebens – die schwere Aufgabe übernommen, wieder Ordnung zu schaffen. In zielbewußter harter Arbeit hast Du den Boden vorbereitet, auf dem das Werk der neuen demokratischen Staatsordnung begonnen werden konnte. Daß dies in verhältnismäßig kurzer Zeit gelang, daß das Reich zusammenhielt und bald wieder in Ordnung und Arbeit kam, das ist in erster Linie Dein großes Verdienst, das ist Deine Tat, die in der Geschichte unseres Vaterlandes nicht vergessen wird“ (zitiert nach Czisnik, Ulrich: „Gustav Noske. Ein sozialdemokratischer Staatsmann“, Göttingen/Zürich/Frankfurt 1969, S. 89).

Andererseits war er damals und ist bis heute wie kein anderer Sozialdemokrat Anfeindungen von links – von Kommunisten bis in die eigenen Reihen der SPD – ausgesetzt. Seinen Schimpfnamen lieferte Noske seinen Feinden selbst, als er am 6. Januar 1919 den Oberbefehl zur Niederschlagung des Spartakusaufstands mit den Worten übernahm, einer müsse der „Bluthund“ werden, er scheue die Verantwortung nicht.

Es waren die ungerechten Arbeitsbedingungen, die den Korbmacherlehrling Gustav Noske zur Gewerkschaftsbewegung und zur SPD brachten. Schon als Jugendlicher trat er beherzt für Belange der Arbeiter ein. Ab 1893 wirkte er als hauptamtlicher Redakteur von Parteizeitungen, zunächst in Brandenburg, dann in Königsberg und schließlich – seit 1902 – in Chemnitz bei der „Volksstimme“.

1906 wurde Gustav Noske Stadtverordneter in Chemnitz. Im selben Jahr gewann er bei den Reichstagswahlen für die SPD den Wahlkreis Chemnitz. Im Reichstag machte er als Experte für militärische Fragen auf sich aufmerksam. 1912 wählte der in Chemnitz abgehaltene SPD-Parteitag Gustav Noske neben dem Parteivorsitzenden Hugo Haase zum Vorsitzenden des Parteitagsbüros.

Als der erste Weltkrieg für Deutschland bereits verloren war, die Seekriegsleitung aber ungerührt am 30. Oktober 1918 den Befehl zum Auslaufen der Hochseeflotte gab, kam es zu Dienstverweigerungen der Matrosen. Am 3. November 1918 griff die Rebellion auf Kiel über. Die Regierung entsandte unverzüglich einen Staatssekretär sowie Gustav Noske, den Marinereferenten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, nach Kiel. Damit endete de facto Noskes Tätigkeit in Chemnitz, auch wenn er im Januar 1919 noch einmal als Chemnitzer Stadtverordneter wiedergewählt wurde. Noske wurde von den Matrosen begeistert empfangen und ließ sich kurz darauf zum Gouverneur von Kiel wählen. Ihm gelang es, die Situation im Sinne der Regierung und des nach der Abdankung des Kaisers an ihre Stelle tretenden Rates der Volksbeauftragten zu beruhigen.

Am 29. Dezember 1918 wurde Noske selbst nach Berlin in den Rat der Volksbeauftragten berufen und dort für Heer und Marine zuständig. Als Oberbefehlshaber war er im Januar 1919 verantwortlich für die gewaltsame Niederschlagung des Spartakusaufstandes gegen die Regierung.

Im Februar 1919 wurde Noske in die Weimarer Nationalversammlung gewählt und Reichswehrminister im Kabinett Scheidemann. Als solcher verantwortete er auch die Niederschlagung weiterer Aufstände linker Gruppierungen, die sich gegen die junge demokratische Republik richteten.

Gustav Noske bei einer Ansprache vor den Freikorps 1919
Gustav Noske bei einer Ansprache vor den Freikorps 1919 [Foto: AdSD]
Das harte Vorgehen gegen die Aufständischen hat viel Kritik erfahren. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Regierung damals unter dem Eindruck der Ereignisse in Russland stand, wo soeben eine bolschewistische Revolution die Demokratie bereits im Keim erstickt hatte. Angekreidet wurde Noske insbesondere, dass er sich zur Verteidigung der Demokratie ausgerechnet auf reaktionäre Freikorps stützte – aus seiner Sicht aber wohl notgedrungen: mangels Alternative. Diskutiert wurde und wird, ob und inwieweit Noske auch für Exzesse der Freikorps verantwortlich gemacht werden kann.

Gustav Noske bei einer Besichtigung der Freikorps 1919
Gustav Noske bei einer Besichtigung der Freikorps 1919      [Foto: AdSD]
Im Februar 1920 befahl Noske die Auflösung dieser Freikorps. Die Brigade Ehrhardt widersetzte sich dem Befehl, zog nach Berlin und putschte nun ihrerseits gegen die Reichsregierung. Dieser Kapp-Lüttwitz-Putsch blieb zwar erfolg-, aber nicht folgenlos: Unter anderem führte er am 25. März 1920 zum Rücktritt Noskes als Reichswehrminister, nachdem ihm aus der eigenen Partei die Unzuverlässigkeit des Offizierkorps angelastet worden war.

Im Juli 1920 wurde Noske Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover. Dies blieb er bis 1933; nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Noske – kurz vor seiner Pensionierung – entlassen.

Während der Naziherrschaft wurde Noske 1939 und erneut nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 inhaftiert.

Er starb am 30. November 1946 in Hannover. [Ulrich Pietsch]

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