Chemnitzer Stadtrat beschließt Gedenktafel für von Nationalsozialisten ermordete Stadträte

Eine Gedenktafel am Chemnitzer Rathaus, um das Andenken an die von Nationalsozialisten ermordeten Stadträte zu bewahren, ist heute Gegenstand eines Beschlussantrages an den Chemnitzer Stadtrat. Dazu fand unser Fraktionsvorsitzender Detlef Müller folgende Worte.

Detlef MüllerSehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

sehr geehrte Herren Bürgermeister,

sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,

liebe Chemnitzerinnen und Chemnitzer,

 

in den Tagen um den 5. März gedenken wir den Chemnitzerinnen und Chemnitzern, die an jenem Tag im Jahr 1945 bei der Bombardierung der Stadt ihr Leben ließen. Sie waren Opfer eines Krieges, mit dem viel Leid über Europa gebracht wurde, der seinen Ursprung hier in Deutschland hatte.

In einem Land, in dem auch vor dem Krieg zahlreiche Menschen Ihr Leben lassen mussten: ermordet oder in Konzentrationslagern zu Tode gekommen.

Schauen wir doch einmal in den Monat März. Dass 1932 ein neuer Stadtrat von den Chemnitzerinnen und Chemnitzern in freier Wahl gewählt wurde, spielte schon Anfang des Jahres 1933 keine Rolle mehr.

 

Entgegen der Geschäftsordnung berief die Fraktion der NSDAP eine Stadtrats-Sitzung für den 10.März ein, an der alle Stadtverordneten der anderen Fraktionen nicht teilnahmen. Das Niveau jener Sitzung kann man sich vorstellen, man möchte es aber lieber nicht. Schmähungen und Verunglimpfungen bildeten den Rahmen, in dem zunächst einmal die Arbeitsgrundlagen der Fraktionen gestrichen wurden. Danach sollte die privat betriebene Volkshochschule, deren 100jähriges Bestehen wir dieses Jahr begehen, geschlossen werden. Zahlreiche zustandegebrachte oder erpresste Rücktrittsgesuche von Stadträten wurden behandelt – kurz gesagt, am 10. März endete die kommunale Selbstverwaltung der Stadt Chemnitz. Und das Erschreckende dabei ist, dass die Wahlen nicht einmal 5 Monate zurück lagen.

 

Was aber insbesondere Erwähnung finden sollte ist, dass ein Stadtrat der SPD jener Sitzung gar nicht hatte beiwohnen können:

Georg Landgraf war am Vortag, am 9. März von Mitgliedern der SA niedergeschossen worden, als er sich der rechtswidrigen Besetzung des Verlags- und Druckhauses der Chemnitzer „Volksstimme“ widersetzte.

Und damit komme ich zu unserem heutigen Beschlussantrag, eine Gedenktafel am oder im Rathaus für die Stadträte einzurichten, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

 

Es war auch im März, aber 1945, als im Hutholz neben anderen Antifaschisten auch Albert Hähnel, bis 1933 Stadtrat der KPD, ermordet wurde.

 

Die Verbrechen des Nationalsozialismus kosteten Millionen Menschenleben.

 

In Chemnitz erinnern mittlerweile 195 Stolpersteine stellvertretend an das Schicksal der unzähligen Opfer in unserer Stadt.

Es wird ihrer am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar sowie am Gedenken aus Anlass der Pogromnacht am 9. November gedacht.

Unter den Opfern des Nationalsozialismus waren eben auch Zahlreiche, die als politisch Andersdenkende ermordet wurden.

Von den Stadträten kamen unter der Herrschaft des Nationalsozialismus noch Eugen Fritsch, Max Saupe, Fritz Matschke und Moritz Nestler zu Tode.

 

Lassen Sie uns in diesem März ein Zeichen setzen und an die beschriebenen Schicksale erinnern, die gerade in diesem Monat stattfanden.

Ein würdiges Gedenken an diese Schicksale

– an der Stätte, wo sie sich – so wie Sie, liebe Stadträtinnen und Stadträte –

ehrenamtlich für das Wohl ihrer Stadt einsetzten, dafür bitten wir Sie um Ihre Zustimmung.

 

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