Karl Böchel

Karl Böchel
Stadtarchiv Chemnitz

* 15.09.1884 in Koblenz

† 28.02.1946 in Fjellhamar bei Oslo

Beruf: Schlosser

1910 Mitglied der SPD, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs im Ruhrgebiet. Ab 1913 war er dort für verschiedene sozialdemokratische Zeitungen tätig. Im November 1918 war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats Duisburg.

Im April 1919 kam er nach Chemnitz und wurde erst Redakteur, ab 1921 Chefredakteur der „Volksstimme“. Dies blieb er bis 1933. 1924–26 war er Stadtverordneter in Chemnitz, seit November 1926 Mitglied des Sächsischen Landtags (formal bis Juni 1933). Dort war er zunächst einer von drei Fraktionsvorsitzenden, ab 1929 bis April 1933 alleiniger Fraktionsvorsitzender. Böchel gehörte zu den tragenden Säulen des linken Flügels in der sächsischen SPD. Als er im Oktober 1923 – nach der Reichsexekution gegen die sächsische SPD/KPD-Regierung – Vorsitzender des Bezirks Chemnitz-Erzgebirge wurde (bis 1933), war damit eine Kurskorrektur des einstmals von Gustav Noske, Ernst Heilmann und Max Müller geprägten Parteibezirks vollzogen.

Er gehörte auch in der Zukunft zu den schärfsten Kritikern der „Weimarer Koalitionen“ (Koalition von SPD, DDP, Zentrum und ggf. DVP) sowohl in Sachsen, als im Reich und war damit geradezu das Gegenstück von Ernst Heilmann. Im sogenannten „Sachsenkonflikt“, der sich im wesentlichen um eine solche Koalition in Sachsen drehte, lehnte er auf dem Heidelberger Parteitag 1925 im Namen der Mehrheit der sächsischen Delegierten einen vom Parteivorstand initiierten Kompromissvorschlag ab. Damit wird man ihm wohl einen Anteil an der 1926 erfolgten Spaltung der sächsischen SPD zuschreiben müssen.

1927 gehörte er zu den Mitbegründern der Zeitschrift „Der Klassenkampf“, lehnte aber 1931 die von Mitherausgebern vertretene Abspaltung der SAP (Seydewitz, Rosenfeld) ab (wie der ebenfalls zum linken Flügel zählende Kuhnt). Danach gründete er als Alternative die Zeitschrift „Marxistische Tribüne“. 1928 wurde er Vorsitzender des Landesarbeitsausschusses der sächsischen SPD (svw. Landesvorsitzender).

Am 9. März 1933 – vier Tage nach der Reichstagswahl – besetzte die SA in Dresden wie in Chemnitz die öffentlichen Gebäude. Bei der Besetzung des Landtagsgebäudes wurde Böchel schwer verletzt. Nach einer Notbehandlung in einem Dresdner Krankenhaus konnte er in ein Krankenhaus in Karlsbad verlegt werden und somit in die Tschechoslowakei emigrieren.

Auf der SPD-Reichskonferenz in Berlin am 26. April 1933 – an der er nicht teilnehmen konnte – wurde er in den Parteivorstand gewählt. In der Emigration schloss er sich der Exil-Organisation der SPD, der Sopade, an und war auch Mitglied des Vorstands, ebenso des Exil-Bezirksvorstands Chemnitz-Erzgebirge. In der Emigration war er einer der führendsten Vertreter des äußersten linken Flügels der Sozialdemokratie und 1934 maßgeblich an der Gründung des Arbeitskreises Revolutionärer Sozialisten Deutschlands (RSD) beteiligt. Dabei entfernte er sich immer mehr von der SPD.

Wegen organisatorischer Sonderbestrebungen und seines Verhältnisses zur KPD wurde er Ende Januar 1935 aus dem Vorstand der Sopade ausgeschlossen, dem Arbeitskreis wurde die weitere Unterstützung entzogen. Er wirkte im Pariser „Lutetia-Kreis zur Vorbereitung der deutschen Volksfront“ mit und unterzeichnete Ende 1936 den Aufruf des „Komitees zur Vorbereitung der deutschen Volksfront“. Als die RSD auf einer Konferenz am 02.09.1937 in Karlsbad die Wieder-Eingliederung in die Sopade beschloss, stimmte er dagegen. Er wird diese Eingliederung für sich auch nicht vollzogen haben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wird man ihn deshalb nicht mehr als Mitglied der SPD sehen dürfen, auch wenn er sicher niemals formal aus der SPD ausgetreten ist. Danach ist auch kein politisches Wirken von ihm bekannt.

1938, als die Besetzung der Tschechoslowakei drohte, floh er nach Norwegen. Seit Ende 1939 war er gelähmt und hielt sich während der deutschen Besetzung des Landes in einem Krankenhaus auf. 1941 soll er sich zum Kampf gegen die Reformorientierung der SPD in seiner 14jährigen Tätigkeit in Chemnitz bekannt haben.

Aber er irrte, wenn er damals meinte, über die sozialdemokratischen Reformpolitiker jener Zeit würde niemand mehr sprechen. [Dieter Häcker]

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