Sozialdemokraten in den Dörfern

ADAV-Fahne 1873Wie es sich schon bei den Reichstagswahlen seit 1867 zeigte, war der Schwerpunkt der Sozialdemokratie im 16. Sächsischen Reichstagswahlkreis weniger in der Stadt Chemnitz, als in den umliegenden Dörfern. Während in das Chemnitzer Stadtverordnetenkollegium erst im Jahre 1897 Sozialdemokraten einziehen konnten, wurden bereits 1874 Sozialdemokraten in die Gemeinderäte von Schloßchemnitz und Hilbersdorf gewählt, in den nächsten Jahren auch in die Gemeinderäte von Reichenbrand, Gablenz und Kappel. Auch das im Oktober 1878 in Kraft getretene Sozialistengesetz konnte den Zulauf zur Sozialdemokratie in unserer Region nicht stoppen: Bereits in der ersten danach durchgeführten Wahl, der Ende Dezember 1878 erfolgten Wahl der beiden Vertreter der Unansässigen (Mieter) im Altendorfer Gemeinderat, wurden erstmals zwei Sozialdemokraten gewählt. Allerdings weigerten sich noch fast alle anderen Mitglieder des Gemeinderats zunächst, mit den beiden Sozialdemokraten zusammenzuarbeiten. Erst 1881 konnten diese ihr Mandat tatsächlich antreten. Seither konnten die Altendorfer Sozialdemokraten stets die zwei bzw. später drei Sitze der Unansässigen im Gemeinderat mit großen Mehrheiten gewinnen, so z.B. 1890 mit 74 bzw. 76 %, 1896 mit 87 %. Von 1894 bis 1896 gehörten sogar in der 2. Klasse der Ansässigen (Hausbesitzer) zwei Sozialdemokraten dem Gemeinderat an.

Ähnlich war die Situation in Kappel: Hier konnten die Sozialdemokraten die beiden Gemeinderatssitze der Unansässigen z.B. 1886 mit einer Mehrheit von 64 bzw. 66 % gewinnen, 1892 gar mit 100 %.

Auch in Gablenz konnten die Sozialdemokraten z.B. 1892 die beiden Sitze der Unansässigen im Gemeinderat mit 77 bzw. 94 % gewinnen. Die Stellung der Sozialdemokratie war hier bereits so stark, dass der Gemeinderat die Wahlbekanntmachung auch in der sozialdemokratischen Zeitung „Der Beobachter“ veröffentlichen wollte, was aber von der Amtshauptmannschaft untersagt wurde. [Dieter Häcker]

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